Momentaufnahmen eines Denkmals - erzählt von Andreas Donati




30.4.1945 - Rote Fahne auf dem Reichstag

In den letzten Kriegstagen wurde das Reichstagsgebäude heftig umkämpft.
Nach mehreren Tagen Artilleriebeschuss erstürmte die Rote Armee den Reichstag.
Erst in den letzten Kriegswochen war dieser zunehmend befestigt worden.
 

Am 30.4.1945 drangen die ersten russischen Soldaten in das Reichstagsgebäude ein und hissten schließlich die Rote Fahne zum Zeichen des Sieges. Da bei dieser Aktion keinerlei Film- oder Fotoaufnahmen gemacht wurden, hat man diese Szene mehrfach Anfang Mai 1945 nachgestellt - russische Soldaten hissen auf der Ostseite des Reichstagsgebäude die Rote Fahne.

Dieses Foto des Fotoreporters Jewgeni Chaldej, was den Sieg über das Dritte Reich symbolisieren sollte, wurde in der ganzen Welt bekannt.

Historiker hatten allerdings später angemerkt, dass auf dem Foto ziviler Straßenverkehr zu beobachten ist, so dass die Szene erst nach Einstellung der Kampfhandlungen festgehalten wurde.
Wahrscheinlich wurde diese Aufnahme in dem Film "Schlacht um Berlin" verwendet.

 

Symbol des Sieges der Roten Armee
Symbol des Sieges der Roten Armee


Foto Victor Tyomin
Foto Victor Tyomin


Authentisch hingegen ist das Bild des Fotografen Victor Tyomin, welches er aus einem Flugzeug heraus aufgenommen hatte.

Diese Fotomaterial brachte er mit einem gestohlenen Flugzeug nach Moskau, worauf  es Anfang Mai in der Prawda abgedruckt wurde.

 


Ein weiteres Indiz dafür, dass das zerstörte Reichstagsgebäude für die Rote Armee das Sinnbild für den errungenen Sieg über Nazi-Deutschland bedeutete.
Diese bedeutende sowjetische Fahne wurde am 20.6.1945 zur Siegesparade nach Moskau gebracht. Heute befindet sie sich im Museum der russischen Armee.

Es gibt viele Versionen und Erzählungen zum Thema Rote Fahne im Reichstag.
Als sicher scheint zu gelten, dass bis zu fünf Kompanien wetteiferten, um zu "ewigen Ruhm und Ehe" zu gelangen. heute weiß man allerdings, dass es Mikhail Jegoroff und Meliton Kantarija nicht waren.

Immer wieder kam ein ganz anderer Name ins Gespräch - Michail Petrowitsch Minin.
Dieser Michail Petrowitsch Minin versichert glaubhaft, dass er als erstes das Symbol der Roten Armee im Reichstagsgebäude angebracht hatte.
Am späten Abend des 30.4.1945 sei er mit einer kleinen Kampfgruppe in das zur Festung ausgebaute Reichstagsgebäude eingedrungen und habe eine "Rote Fahne" an einer Statue über dem Westportal angebracht.

Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes besuchte Michail Petrowitsch Minin im Rahmen einer ZDF-Produktion (Dokumentation - Der Sturm) Berlin und das Reichstagsgebäude.

Erst 2008 wurde diese Frage nun von offizieller Seite in Russland beantwortet.
Michail Petrowitsch Minin ist tatsächlich der Rotarmist gewesen, der als Erster die
Rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude anbrachte.


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Quellennachweis:
- Michael S. Cullen - Der Reichstag, die Geschichte eines Monuments
- Michael S. Cullen - Wann war's - wer war's?
- Verlag Burda - Die ersten fünfzig Jahre unseres XX. Jahrhunderts
- Deutscher Bundestag - Reichstag Aspekte
- Deutscher Bundestag - Fragen an die deutsche Geschichte
- ZDF Filmdokumentation -  Der Sturm (4. Teil, Bis zum bitteren Ende)