Momentaufnahmen eines Denkmals - erzählt von Andreas Donati




Christo & Jeanne-Claude verhüllen den Reichstag

Lange hatten Christo und seine Frau Jeanne-Claude sich mit dem Gedanken getragen das Reichstagsgebäude "zu verpacken". Um diese Idee populär zu machen, hielt Christo immer wieder Vorträge zu diesem Projekt.
Die Ausstellung "Christo: Projekte in der Stadt, 1961-1981" in Köln gezeigt, kam 1982
auch nach Berlin und brachte so seine Vision wieder ins Gespräch.
Die wechselnden Köpfe in der Politik als Entscheidungsträger brachten sowohl Befürworter als auch Kritiker für das Christo-Projekt. Anfragen von Christo wurden von der Bundesregierung meist, letztmalig 1977 durch Bundespräsident Karl Carsten verneint.

Mit dem Fall der Mauer und der vollzogenen Deutschen Einheit setzte Christo erneut
alles daran die Entscheidungsträger zu überzeugen.

Als am 8. Oktober 1992 mit Willy Brandt einer der einflussreichsten Befürworter des Projekts "Verhüllter Reichstag" starb, sicherte seine Nachfolgerin Rita Süßmuth den
Christo's Ihre Unterstützung zu.
Mit Eröffnung einer Ausstellung "Christo in Berlin",  der nachhaltigen Unterstützung
der Bundstagspräsidentin Rita Süßmuth's, sowie einer ausführlichen Aufklärungsarbeit
bei allen 662 Abgeordneten (z.B. persönliche Infobriefe) gab der Bundestag am
25 Februar 1995 seine Zustimmung zur Reichstagsverhüllung.
Trotz der ablehnenden Haltung von Bundeskanzler Helmut Kohl und von
Wolfgang Schäuble, beschloss der Bundestag mit 292 Ja-Stimmen und 223 Nein-Stimmen, bei 9 Enthaltungen die Realisierung des Christo-Projekts "Verhüllter Reichstag".

Am 24. Juni 1995 war es dann soweit.
90 gewerbliche Kletterer und weitere
120 Montagearbeiter hatten das Werk vollbracht, auf das Christo 23 Jahre
warten musste.
Das Reichstagsgebäude war mit rund
100.000 qm feuerfestes  Polypropylengewebe mit Aluminiumschicht verhüllt, welches durch 15.600 Meter blauen, im Durchmesser 3,2 cm starken Seil in die richtige Form gebracht wurde.
 

© Christo / Foto Donati
 © Christo / Foto Donati

Christo erhoffte sich mit dem Projekt "Verhüllter Reichstag" ein dramatisches Erlebnis von großer Schönheit" - und genau dazu wurde dieses Event. Dieser Erfolg der Christos gelang zu einem Kunstwerk, welches in der ganzen Welt zu Anerkennung gereichte.
In den folgenden 14 Tagen wohnten über 5 Millionen Besucher aus allen Teilen der Erde diesem grandiosen Schauspiel bei.

Vor der Verhüllung hatte das Künstlerpaar mit folgenden Kosten (in DM) kalkuliert:

Stoffherstellung
Seil
Metallisierung
Näharbeiten
Statik/Konstruktion/Schnittmuster
Beweissicherung
Montagekissen und Käfigabdeckung
Stahlbauten/Gerüste
Stahlgewichte
Montage/Demontage
Monitor/Sicherheit
Mieten, Transport, Löhne, Sonstiges
Gesamtkosten

500.000 DM
100.000 DM
100.000 DM
1.500.000 DM
1.500.000 DM
100.000 DM
300.000 DM
3.000.000 DM
250.000 DM
1.900.000 DM
1.800.000 DM
450.000 DM
11.500.000 DM

Finanziert wurde die Reichstagsverhüllungen einzig aus Mitteln von Christo und Jeanne-Claude selbst. Nach dem Abbau am 7. Juli 1995 des Verhüllungsmaterials wurde das gesamte "Verpackungsmaterial" recycled.

Insbesondere durch diese wirklich eindrucksvolle Verhüllung, wurde die Kehrtwende des Schattendaseins des Reichstagsgebäudes im Bewusstsein der Bevölkerung eingeleitet.
Die Deutschen zeigten wieder vermehrt Interesse an dem Reichstagsgebäude, der Geburtsstätte deutscher Demokratie und seiner schicksalhaften Geschichte.

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Quellennachweis:
- Benedikt Taschen Verlag - Christo & Jeanne-Claude
- Deutscher Bundestag - Fragen an die deutsche Geschichte